Arthrose: Sieben Empfehlungen der EULAR zur bildgebenden Diagnostik

von Dr. med. Marianne Schoppmeyer, Nordhorn, www.medizinundtext.de

Abnutzungserscheinungen an den Gelenken zeigen sich bei nahezu jedem Patienten über 60 Jahren. In Deutschland sind etwa fünf Mio. Frauen und Männer von einer Arthrose betroffen. Nach wie vor wird in der Diagnostik der Arthrose am häufigsten das konventionelle Röntgenbild eingesetzt. MRT und Sonografie gewinnen jedoch an Bedeutung. Experten der Europäischen Fachgesellschaft für Rheumatologie (EULAR) haben nach einer umfangreichen Datenbank-Recherche 390 Studien ausgewertet. Sie formulieren sieben Empfehlungen für den Einsatz bildgebender Verfahren im klinischen Alltag.

1. Keine bildgebenden Verfahren bei typischen Symptomen 

Liegen typische Arthrose-Symptome vor, ist keine bildgebende Diagnostik nötig.

Typische Symptome sind z. B.:

  • Schmerzen (Anlaufschmerz, Belastungsschmerz, Ruheschmerz)
  • Gelenkerguss, Gelenkschwellung
  • Bewegungseinschränkung, Gelenkinstabilität
  • Krepitationen

2. Bildgebende Verfahren bei Fehlen typischer Symptome 

Liegen keine typischen Symptome vor, können bildgebende Verfahren die Diagnose einer Arthrose erleichtern oder auf eine alternative oder zusätzliche Erkrankung hinweisen.

Beim konventionellen Röntgen typischerweise sichtbar sind:

  • Verdichtung des Knochens (subchondrale Sklerosierung)
  • Verschmälerung des Gelenkspalts, die indirekte Hinweise auf den Abrieb des Gelenkknorpels gibt (je schmaler der Gelenkspalt auf dem Röntgenbild, desto mehr Knorpelgewebe ist abgerieben)
  • Ungleichmäßige Gelenkflächen
  • Osteophyten (knöcherne Ausziehungen) und Geröllzysten
  • Veränderungen der Gelenkstellung bzw. Deformierungen des Gelenks

3. Bildgebende Verfahren dosiert einsetzen 

In der Verlaufskontrolle sollten bildgebende Verfahren nur eingesetzt werden, wenn sich die Beschwerden unerwartet rapide verschlechtern oder sich das Beschwerdebild verändert. Hier stellt sich die Frage nach einer zusätzlichen Diagnose.

4. Konventionelles Röntgenbild bevorzugt verwenden 

Wenn eine bildgebende Diagnostik erforderlich ist, sollte ein konventionelles Röntgenbild bevorzugt werden. Um zusätzliche Diagnosen zu stellen, kann Weichteilgewebe am besten mittels Sonografie oder MRT beurteilt werden, Knochengewebe mittels CT oder MRT.

5. Spezialeinstellungen nutzen 

Spezialeinstellungen sind wichtig, um die Diagnosestellung zu optimieren. Bei einer Gonarthrose sollten z. B. patellofemorale Aufnahmen und Bilder unter Belastung angefertigt werden.

6. Keine Aussagen zum Erfolg der konservativen Therapie möglich 

Nach derzeitiger Evidenzlage können mithilfe der bildgebenden Diagnostik keine Aussagen zum Erfolg einer konservativen Therapie getroffen werden.

7. Höherer Erfolg bei intraartikulären Injektionen 

Wenn intraartikuläre Injektionen erforderlich sind, können bildgebende Verfahren den Erfolg des Eingriffs verbessern. Dieser ist jedoch abhängig von den Erfahrungen des behandelnden Arztes und vom betroffenen Gelenk. Bildgebende Verfahren (insbesondere Ultraschall) sind dann sinnvoll, wenn das Gelenk schwer zugänglich ist (z. B. Hüfte), es stark deformiert ist und der Patient adipös ist.

Weiterführender Hinweis

  • Sakellariou G. et al.: EULAR recommendations fort he use of imaging in the clinical management of peripheral joint osteoarthritis. Ann Rheum Dis 2017;0:1-11