Eine Frage vor der Röntgenuntersuchung – viele Reaktionen: „Sind Sie schwanger?“

von Ute Thelen, Fachwirtin für Zahnärztliches Praxismanagement, Sassenberg

Nach § 23 Abs. 3 Röntgenverordnung muss der anwendende Arzt vor der Röntgenuntersuchung Patientinnen im gebärfähigen Alter befragen, ob eine Schwangerschaft besteht oder bestehen könnte. Ist dies der Fall, muss nochmals geprüft werden, ob die Röntgenuntersuchung dringend ist. Im Praxisalltag kann dies zu teils heiteren, teils skurrilen Situationen führen – vor allem, wenn Patientinnen mit dieser Frage überhaupt nicht rechnen.

Bedeutung der Frage in der Radiologiepraxis 

Die meisten schwangeren Frauen wissen um die Gefahr von Röntgenstrahlen für das ungeborene Kind und werden einen Besuch beim Radiologen in der Schwangerschaft möglichst vermeiden. Darauf verlassen dürfen Sie sich allerdings nicht: Eine Patientin könnte z. B. noch nicht wissen, dass sie ein Kind bekommt oder nach sorgfältiger Abwägung ihres Zustands von ihrem behandelnden Arzt zum Radiologen geschickt worden sein.

Praxishinweis

Stellen Sie Ihren Patientinnen die Frage nach einer Schwangerschaft schon bei der telefonischen Terminvereinbarung. Fragen Sie sie auch nach dem Grund des Termins. Notfalls sollten Sie bzw. Ihr Chef Rücksprache mit dem behandelnden Arzt der Patientin halten. Nichts ist für die Patientin ärgerlicher, als wenn sie die Praxis unverrichteter Dinge wieder verlassen muss.

 

Wann ist eine Frau im gebärfähigen Alter? 

Das Gebäralter variiert je nach Kulturkreis: In einigen muslimischen Ländern, in denen das Heiratsalter der Mädchen mit 9 Jahren beginnt, sind „Teenager-Schwangerschaften“ normal. Eine Frau, die mit Anfang 20 das erste Kind bekommt, gilt dort schon als Spätgebärende. Im westlichen Kulturkreis begann früher das klassische Gebäralter mit Ende der Schulzeit bzw. des Lehralters – also etwa mit 18 Jahren. Es endete mit rund 30 Jahren. Im Zuge der verlängerten Ausbildungszeiten der Frauen und der Fortschritte in der gynäkologischen Medizin hat sich das klassische Gebäralter der westlichen Frauen immer mehr nach hinten verlagert. Inzwischen liegt der Zeitpunkt der Erstgeburt meist zwischen 25 und 35 Jahren.

Merke

De facto müssten Sie alle Mädchen bzw. Frauen von etwa 11 bis 55 Jahren vor Röntgenuntersuchungen nach einer Schwangerschaft befragen. Denn aus der Presse wurde bekannt: Im Jahr 2014 hat eine 11-jährige Deutsche ein Kind bekommen. Und auch eine 64-Jährige ist noch Mutter geworden.

 

Frage nach Schwangerschaft löst teilweise amüsante Reaktionen aus 

Natürlich sollten sich alle Mitarbeiter in der Radiologiepraxis an die geltenden Vorschriften halten – auch wenn die Patientinnen auf amüsante Art und Weise reagieren können: So bekam eine etwa 12-jährige Patientin einen knallroten Kopf und drehte sich verschämt weg; eine 14-Jährige sagte grinsend, aber sehr bestimmt: „Nein!“. Eine 50-Jährige könnte die Frage nach einer Schwangerschaft als „Kompliment“ auffassen, dass sie noch für so jung gehalten wird. Sie könnte aber auch entsetzt mit den Worten reagieren: „Nein!!! Damit bin ich ja wohl durch!“

Fazit

Oft heitern die Reaktionen von Patientinnen bei der Frage nach einer Schwangerschaft den Arbeitsalltag in der Radiologiepraxis auf. Doch auch wenn es manchmal absurd erscheint: Fragen Sie nach! Nur so handeln Sie rechtssicher!