MRT der Prostata: Vorbereitung und Technik

von PD Dr. Tobias Franiel, Leiter des Prostatazentrums, Institut für diagnostische und interventionelle Radiologie, Universitätsklinikum Jena

Die PI-RADS Klassifikation wurde im Jahr 2012 erstmals vorgestellt. Innerhalb kurzer Zeit half diese Klassifikation, die MRT der Prostata flächendeckend zu verbreiten und die Methode im Alltag der Urologen und Radiologen fest zu verankern. Mit der zweiten Version der PI-RADS Klassifikation vom Dezember 2014 wurden wesentliche Limitationen der ersten Version beseitigt und eine global akzeptierte Standardisierung erreicht. Voraussetzung für die korrekte Anwendung des darin enthaltenen Scoring-Systems ist eine qualitativ hochwertige Untersuchung der Prostata im MRT. Hierfür formulierte die Arbeitsgemeinschaft Uroradiologie und Urogenitaldiagnostik der Deutschen Röntgengesellschaft einheitliche Empfehlungen zur Vorbereitung und Durchführung der MRT der Prostata.

Anamnestische Angaben 

Vor einer MRT der Prostata sollten nach Möglichkeit folgende Befunde vorliegen:

  • Aktueller Serum-PSA-Wert des Patienten, da die Wahrscheinlichkeit für ein Prostatakarzinom mit zunehmendem PSA-Wert ansteigt
  • Zeitlicher Verlauf des PSA-Werts
  • Verhältnis von freiem zu gebundenem PSA
  • Anzahl und Zeitpunkt der bereits stattgefundenen Biopsien
  • Histologisches Ergebnis der vorherigen Stanzbiopsien
  • Bei positiver Biopsie die Anzahl und Lokalisation der positiven Stanzen
  • Befunde vorheriger Prostata-MR-Tomographien
  • Kontaktdaten des überweisenden Urologen
  • Angaben zu bisherigen prostataspezifischen Therapien

Entsprechend den Anwendungsempfehlungen der European Society for Radiology (ESUR) ist für Kontrastmittel mit niedrigstem Risiko für eine nephrogene systemische Fibrose (NSF) wie z. B. Gadobutrol, Gadoterat-Meglumin oder Gadoteridol die Bestimmung der Nierenfunktion nicht zwingend erforderlich. Es sollten jedoch Angaben zur Nierenfunktion gemacht werden. Die Kontrastmittel mit niedrigstem NSF-Risiko sollten bei Patienten mit einer eGFR < 30ml/min nicht eingesetzt werden.

Untersuchungsterminierung 

Eine MRT-Untersuchung zur primären Tumorsuche und der aktiven Überwachung sollte frühestens sechs Wochen nach einer Biopsie erfolgen, da Einblutungen die Qualität der Untersuchung beeinträchtigen können. Für das lokale Staging eines histologisch gesicherten Prostatakarzinoms sollte das Intervall zwischen der Biopsie und dem prätherapeutischen MRT maximiert werden, ohne jedoch die Therapie zu verzögern.

Untersuchungsvorbereitung 

Die fraktionierte i. v. Applikation eines Spasmolytikums (z .B. 1-2 Amp. Butylscopolamin oder 1 Amp. Glukagon) kann zur Steigerung der Bildqualität aufgrund der Reduktion der Artefakte durch Darmbewegungen eingesetzt werden. In diesem Zusammenhang sollte der Patient vor der Untersuchung den Enddarm und die Blase entleeren. Da viele Abführmittel die Darmperistaltik erhöhen und mit einer Zunahme der Bewegungsartefakte einhergehen, sollen Klistiere oder Abführmittel vor der Untersuchung nicht gegeben werden. Empfehlungen zur Dauer der sexuellen Enthaltsamkeit vor einer MRT der Prostata gibt es keine, da keine validen Studien vorliegen.

Untersuchungsprotokoll 

Ziel des Untersuchungsprotokolls ist die sichere Detektion und Lokalisation signifikanter Prostatakarzinome mit einem Volumen ≥ 0,5 ml sowie eines extrakapsulären Wachstums inklusive einer Samenblaseninfiltration. Ein identisches standardisiertes Protokoll für 1,5 Tesla und 3,0 Tesla gewährleistet die Vergleichbarkeit der Untersuchungen und vermeidet Doppeluntersuchungen. Insgesamt zeigte die Kombination aus T2-gewichteter Bildgebung, diffusionsgewichteter Bildgebung und dynamischer kontrastmittelunterstützter MRT die höchste diagnostische Genauigkeit. Es ist zu beachten, dass bei 1,5 Tesla der Einsatz der kombinierten Endorektal-Körper-Phased-Array-Spule bei identischer Technik und Sequenzaufbau das Signalrausch-Verhältnis erhöht. Sollte keine Endorektalspule benutzt werden können, sollten die Parameter der Sequenz so angepasst werden, dass die gleiche Bildqualität erreicht wird. Bei 3,0 Tesla kann zur Verbesserung der Bildqualität und für die Beurteilung eines extrakapsulären Wachstums des Prostatakarzinoms eine kombinierte Endorektal-Körper-Phased-Array-Spule eingesetzt werden. Zwingend erforderlich ist diese bei 3,0 Tesla jedoch nicht.

Im Untersuchungsprotokoll sollen morphologische T2-gewichtete Sequenzen biplanar akquiriert werden, wobei die axiale Ebene mit einer Schichtdicke von 3 mm und einer in-plane Auflösung von ≤ 0,5 x 0,5 mm obligater Bestandteil sein soll. Die sagittale und/oder koronare Ebene soll eine Schichtdicke von ebenfalls 3 mm und eine in-plane Auflösung von ≤ 0,7 x 0,7 mm haben. Die axial akquirierte diffusionsgewichtete Bildgebung soll für das spätere Alignement mit der axialen T2-gewichteten Bildgebung ebenfalls eine Schichtdicke von 3 mm haben und eine in-plane Auflösung von ≤ 2,0 x 2,0 mm. Die dynamische kontrastmittelunterstützte MRT soll ebenfalls axial akquiriert und eine Schichtdicke von 3 mm und eine in-plane Auflösung von ≤ 2,0 x 2,0 mm haben. Die zeitliche Auflösung dieser Sequenz soll mindestens 9 Sekunden, betragen.

Der Flow des Kontrastmittels und des nachfolgenden NaCl-Bolus soll ≥ 2,0 ml/s sein. Für die Beurteilung des Knochens und der Lymphknoten sowie der Prostata hinsichtlich von z. B. Einblutungen soll eine T1-gewichtete Sequenz mit der Schichtdicke ≤ 0,5 mm und einer in-plane Auflösung von ≤ 0,8 x 0,8 mm axial akquiriert werden. Für die Sequenz soll das Field of View (FoV) das gesamte Becken von der Aortenbifurkation bis zum Beckenboden erfassen.

Weiterführender Hinweis

  • Franiel T. et al.: MRI of the Prostate: Recommendations on Patient Preparation and Scanning Protocol. Rofo 2017; 189I(1): 21-28.