Prüfung von Strahlenschutzkleidung per Computertomografie

von Alex Riemer, Dozent für Computertomografie und Bildnachverarbeitung, Mönchengladbach

Röntgenschutzkleidung schützt MTRA vor Strahlenexposition und muss daher regelmäßig auf Mängel geprüft werden. Als besonders effizient gilt die Prüfung der Strahlenschutzkleidung, die nach DIN-Normen zu absolvieren ist, mithilfe der Computertomografie (CT).

Prüfverfahren der Röntgenschutzkleidung

Seit August 2016 regelt die DIN 6857-2 die Qualitätsprüfung von in Gebrauch befindlicher Röntgenschutzkleidung. Sie beschreibt Prüfverfahren, Kennmerkmale und Prüffristen für die Röntgenschutzkleidung:

  • Sicht- und Funktionsprüfungen sollten vor jeder Verwendung erfolgen. Dabei sollte auf Risse, Löcher, Defekte der Nähte und des innenanliegenden Schutzmaterials geachtet werden. Schließelemente sollten auf ihre Funktionsfähigkeit geprüft werden. Bei sichtbaren Mängeln sollte die Schutzkleidung nicht mehr verwendet werden.
  • Tastprüfungen sollten mindestens einmal jährlich durchgeführt werden, je nach Alter der Schürze auch in kürzeren Abständen. Tastbare Schäden der Schutzschicht sind Brüche, Knicke, Risse, Löcher oder eine abgerissene Schutzschicht. Für die Tastprüfung sollte die Schutzkleidung hängen oder liegen.
  • Prüfung mittels Röntgenstrahlung sollte bei neuer Schutzkleidung nach drei Jahren durchgeführt werden. Danach im zweijährlichen Abstand. Werden bei der Prüfung Defekte erkannt, so ist der Zeitraum für eine erneute Prüfung auf ein Jahr zu verkürzen.

Die Prüfung von Strahlenschutzkleidung mittels CT ist sehr effizient und mit jedem CT-Scanner durchführbar. Im Vergleich zur Prüfung unter Durchleuchtung ist die CT-Prüfung sehr schnell durchzuführen und die prüfende Person muss sich selbst keiner Strahlung aussetzen.

Vorgehensweise bei der CT-Prüfung

Vor der Untersuchung ist es ratsam, die Strahlenschutzkleidung eindeutig zu kennzeichnen (z. B. mit Permanent-Marker beschriften) und als Patient im RIS anzulegen. Dies kann wie folgt geschehen:

  • Nummer der Strahlenschutzkleidung und Farbe (z. B. Schürze 23 - blau)
  • Abteilungsname (z. B. Radiologie)
  • Produktionsdatum der Strahlenschutzkleidung

Positionierung auf dem CT-Tisch

Zunächst muss die Strahlenschutzkleidung möglichst faltenfrei auf dem CT-Tisch positioniert werden. Speziell bei großen Ganzkörperschürzen hat es sich bewährt, die Schürze über ein Rollboard zu ziehen.

Wahl der richtigen Tischhöhe und -position

Die meisten Computertomografen erstellen die Übersichtsbilder in a-p Röhrenausrichtung. Das bedeutet, dass der Röntgenstrahler „oben“ und der Detektor „unten“ steht, während das Übersichtsbild aufgenommen wird. In diesem Fall muss die Schürzenprüfung auf der niedrigsten Tischposition durchgeführt werden. So wird gewährleistet, dass der erfasste Bildausschnitt so groß wie möglich ist und die Strahlenschutzkleidung in ihrer vollen Breite erfasst werden kann. Bei einigen CT-Scannern müssen Übersichtsradiogramme in p-a Röhrenausrichtung durchgeführt werden (Röhre steht „unten“). In diesem Fall muss die Schürzenprüfung auf der höchsten Tischposition erfolgen, um den maximalen Bildausschnitt gewährleisten zu können.

Nachdem die richtige Tischhöhe gewählt wurde, wird der Tisch so weit in die Gantry eingefahren, dass der Beginn des Übersichtsbildes am Oberrand der Schürze liegt. Darüber hinaus ist es empfehlenswert, den Tisch zu „nullen“, also auf „0“ zu stellen oder die eingestellte Tischposition zu notieren. Dies ist wichtig, da mehrere überlappende Übersichtsradiogramme angefertigt werden müssen.

Durchführung der Prüfung

Nachdem die Tischhöhe und Startposition am CT eingestellt worden ist, beginnt die eigentliche Schürzenprüfung. Dafür wird das Übersichtsradiogramm eines CT-Abdomen– oder eines CT-Thorax-Protokolls gewählt. Dieses Übersichtsradiogramm darf nicht länger als 500 mm sein. Andernfalls hätte dies eine deutliche Reduktion der räumlichen Auflösung zur Folge. Feine Details könnten dann übersehen werden. Nun werden so viele überlappende Übersichtsradiogramme akquiriert, bis die Schürze komplett abgebildet ist. Der Tisch hat nach jedem Übersichtsradiogramm ein paar Zentimeter „Bremsweg“. Deshalb muss nach jedem Übersichtsradiogramm die Startposition des folgenden Übersichtsradiogramms neu eingestellt werden. Beispiel bei einer Länge des Übersichtsradiogramms von 500 mm:

  • Übersichtsradiogramm 1: Start bei Tischposition „0“, Ende bei Tischposition „-500“
  • Übersichtsradiogramm 2: Start bei Tischposition „-490“, Ende bei Tischposition „ -990“
  • Übersichtsradiogramm 3: Start bei Tischposition „-980“, Ende bei Tischposition „-1480“

Dokumentation und Beurteilung

Die aufgenommenen Übersichtsradiogramme sollten im PACS archiviert werden. Da jede Strahlenschutzkleidung im RIS eindeutig benannt wurde, lassen sich auch Jahre später die Aufnahmen im PACS leicht wiederfinden. Gleichzeitig muss laut DIN 6857-2 eine schriftliche Dokumentation erfolgen. Es müssen nicht nur die Prüfungen mithilfe der CT schriftlich dokumentiert werden, sondern auch die jährlichen Sicht- und Tastprüfungen. Dokumentationsbögen sind beim TÜV Süd erhältlich.

Die Röntgenschürze sollte homogen dicht zur Darstellung kommen. Risse des Schutzmaterials stellen sich hypodens und meist unregelmäßig konturiert dar. Schutzmaterial, welches sich nach dem Abreißen im Saum der Schürze sammelt, stellt sich meist hyperdens dar.

Weiterführender Hinweis

  • TÜV Süd: Dokumentationsbögen für die Ergebnisse der Prüfung der Strahlenschutzkleidung finden Sie online unter www.iww.de/s2514.