Schrittmacherpatienten im MRT: Man muss das Klein­gedruckte der Hersteller lesen

Im August dieses Jahres veröffentlichte die European Society of Cardiology (ESC) die „2013 Guidelines on cardiac pacing and cardiac resynchronization therapy”.

Die Empfehlung enthält auch einen Passus zur Untersuchung von Schrittmacherpatienten im MRT. Doch Vorsicht ist geboten, denn die Guideline ist an dieser Stelle alles andere als vollständig, sagt Prof. Dr. med. Jörg Barkhausen (Universitätsklinikum Lübeck), Vorsitzender der AG Herz- und Gefäßdiagnostik in der Deutschen Röntgengesellschaft.

Frage:

Herr Professor Barkhausen, die Untersuchung von Schrittmacher-Patienten im MRT wird in der Guideline auf zwei Seiten behandelt – zu wenig aus Ihrer Sicht

Prof. Barkhausen:

Die generelle Aussage, wonach jeder Schrittmacherpatient mittels MRT untersucht werden kann, wird der Komplexität der MRT nicht gerecht. Auch MR-geeignete Schrittmacher unter­liegen erheblichen Limitationen, bezogen auf die Untersuchungsparameter und die Körperregionen und diese Aspekte müssen selbstverständlich auch bei allen anderen Schrittmachertypen berücksichtigt werden. Es macht ja einen Unterschied, ob ich einen Patienten im Bereich des Thorax oder am Sprunggelenk untersuchen möchte und ob ich ausschließlich Spin-Echo-Tech­niken oder ultraschnelle MRT-Sequenzen einsetze. Hierzu fehlen klare Aussagen. Die Guideline mag vollständig sein bezogen auf die Schrittmacher, bezogen auf die MRT ist sie es nicht.

Frage:

Was raten Sie Ihren Fachkollegen

Prof. Barkhausen: 

Die Indikation zur Untersuchung muss hart geprüft werden. Braucht man zwingend die MRT, um die diagnostische Fragestellung zu beantworten Um welche Körperregion geht es Bei den MRT-kompatiblen Schrittmachern muss man dann das Kleingedruckte in den Herstellerangaben lesen und die Unter­suchungsparameter optimalerweise mit einem erfahrenen MRT-Physiker abstimmen. Natürlich muss ein Patienten­monitoring während der Untersuchung sichergestellt sein und der Schritt­macher sollte direkt nach der Unter­suchung von einem erfahrenen Kardiologen kontrolliert werden. Der Radiologe muss aber wissen, dass die Verantwortung für die Untersuchung bei ihm liegt – und nicht beim Zuweiser, nicht beim Kardiologen und schon gar nicht beim Schrittmacherhersteller.

Frage:

Wie geht es weiter

Prof. Barkhausen:

Wir sind aktuell mit den Kollegen der Arbeitsgemeinschaft Magnetresonanzverfahren in der Kardiologie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie im Gespräch. Ziel ist es, ein differenziertes, gemeinsam abgestimmtes Papier zu dieser Problematik zu verfassen. Doch auch dies wird kein Freibrief werden. Es wird im Ermessen und in der Verantwortung des Radiologen bleiben, welchen Schrittmacher-Patienten er einer MRT-Untersuchung unterzieht.

Quelle

Brignole M. et al.: 2013 ESC Guide­lines on cardiac pacing and cardiac resynchronization therapy. European Heart Journal (2013) 34, 2281–2329, Ausführungen zu Schrittmacher-­Patienten und MRT S. 2322ff.

www.escardio.org/guidelines-surveys/esc-guidelines/Pages/cardiac-pacing-and-cardiac-resynchronisation-therapy.aspx