Strahlendosis durch ERCP-Schutzdecke reduzieren

von Dr.-Ing. Heinrich Eder, München

Die Verwendung von Abschirmdecken (Drapes) bei verschiedensten diagnostischen und interventionellen Verfahren zur Verbesserung des Strahlenschutzes von Untersuchern und Assistenzpersonal ist inzwischen weit verbreitet. Messungen am Phantom ergeben deutliche Dosisreduktionen bei Verwendung einer Schutzdecke bei der endoskopisch retrograden Cholangio-Pankreatikographie (ERCP).

Prinzip der Schutzdecke

Das Prinzip der Schutzdecke besteht darin, die aus dem Patienten austretende Streustrahlung, die den größten Teil zur Exposition des Personals beiträgt, durch Abdeckung des Patienten zu reduzieren. Schutzdecken mit speziellem Design gibt es für unterschiedliche Anwendungen, wie z. B. Herzkatheteruntersuchungen mit femoralem und radialem Zugang, Schrittmacher-Implantation, endovaskuläre Eingriffe usw. Für die Anwendung bei der ERCP werden auch Schutzvorhänge am Bilddetektor vorgeschlagen. Diese stellen jedoch Veränderungen am Gerät dar und werden von den Herstellern wegen der Produkthaftung meist abgelehnt.

Design und Handhabung

Um die Decke der jeweiligen Modalität anpassen zu können, besteht sie aus zwei Teilen, die in situ gegeneinander verschiebbar und mit einer Kletthaftung verbunden sind (Hersteller Mavig GmbH). Vor Beginn des Eingriffs werden die beiden Teile so zusammengefügt, dass die verbleibende Öffnung dem maximal zu erwartenden Bildausschnitt entspricht (z. B. 25 cm). Die Decke wird so positioniert, dass sie im Bildausschnitt des Monitors gerade nicht mehr sichtbar ist. Das Phantom wurde unter patientenähnlichen Bedingungen eingesetzt, d. h. in Bauchlage. Die Schutzdecke ist jedoch genauso in Seitenlage des Patienten verwendbar.

Dosismessungen

Die Messungen erfolgten an einer Röntgenanlage (Fa. Philips Multi Diagnonst Eleva) mittels Ortsdosimeter OD-02 (Fa.Step Sensortechnik) an einem anthropomorphen Alderson-Rando-Phantom. Es wurde im Durchleuchtungsmodus mit acht Bildern/s gearbeitet (Röhrenspannung: 82 kV, Röhrenstrom: 2,8 mA, Zusatzfilterung: 1 mm Aluminium + 0,1 mm Kupfer, Größe Bildausschnitt: 25 cm x 13 cm (als Teilfeld)). Messgröße ist die Umgebungsäquivalentdosis H* (10).

Tabelle 1: Dosisreduktion mit der ERCP Strahlenschutzdecke

Messhöhe (in cm)

Standort Untersucher (in %)

Standort Assistenzpersonal (in %)

170

86,9

40,5

150

82,4

39,1

130

78.2

28,4

110

90,2

13,6

90

85,1

9,9

70

62,5

1,4

50

9,3

0,0

20

2,4

0,0

 

Die Messungen wurden am Standort des Untersuchers (Höhe Oberkörper des Patienten) und des Assistenzpersonals (Kopfende des Patienten) durchgeführt.

Ergebnisse und Folgerungen

Wie erwartet, nehmen die Personenexpositionen mit Verwendung der Decke deutlich ab. Tabelle 1 zeigt die Zahlenwerte in Abhängigkeit von der Messhöhe über dem Boden. Die höchsten Dosisreduktionen werden im Oberkörper-/Kopfbereich erzielt. Naturgemäß weist der Untersucherstandort die höchste Belastung auf. Die gemessenen Arbeitsplätze können als stellvertretend für alle Positionen um den Patiententisch gewertet werden. Eine leicht anzubringende, an die Feldgröße adaptierbare Patientendecke kann die Expositionen des Untersuchungspersonals – vor allem im Oberkörper/Kopfbereich – um bis zu 90 Prozent senken. Dies betrifft vor allem den ungeschützten Schädel und die strahlenempfindlichen Augenlinsen. Die Umsetzung der EU Richtlinie 2013/59 Euratom in die neue Strahlenschutzverordnung wird eine maximale Augenlinsendosis von 20 mSv/a festlegen. Dieser Grenzwert wird ohne Schutzdecke wesentlich schneller erreicht.