Strahlenquelle unterhalb des Patienten günstig

Röntgenstrahlung kann im bestrahlten Gewebe zu Zellmutationen führen und erhöht das Risiko für die Entstehung von bösartigen Tumorerkrankungen und Katarakten. Ist die Strahlenquelle bei urologischen Durchleuchtungssystemen oberhalb des Patiententisches angebracht, so ist die Strahlenbelastung zehnfach höher, als wenn sich die Strahlenquelle unterhalb des Patiententisches befindet. Dies zeigte der Urologe A. M. Harris von der UK Kentucky Clinic in Lexington/USA.

Vorgehen

Die Studienergebnisse wurden anhand der Dosimeterdaten eines einzelnen Urologen erhoben, der sämtliche urologische Eingriffe zunächst mit Obertisch-Durchleuchtungsanlage durchführte und anschließend mit einem C-Arm-System, dessen Strahlenquelle sich unterhalb des Operationstisches befand. Die ALARA-Prinzipien kamen in beiden Fällen zur konsequenten Anwendung. Die Strahlenbelastung wurde retrospektiv ausgewertet durch Vergleich der registrierten Werte im Dosimeter, welches der Urologe stets an der gleichen Stelle (Brust-/Halsbereich, außerhalb der Bleischürze) getragen hatte.

Ergebnisse

  • Der Unterschied der Strahlenbelastung, welche während vier Monaten Obertisch-Durchleuchtungssystem und drei Monaten Untertisch-Durchleuchtungssystem aufgezeichnet wurde, war signifikant. Bei Durchleuchtung von oben war die Strahlenbelastung zehnfach höher.

Durchschnittliche monatliche Strahlendosis (mSv)

 

Obertisch-Durchleuchtungsanlage

Untertisch-Durchleuchtungssystem

Körper

3,63

0,31

Auge

3,73

0,35

Extremitäten

3,72

0,35

 

  • Pro Monat wurden 22 endo-urologische Untersuchungen mit Nutzung der Fluoroskopie bei Platzierung der Strahlenquelle über dem Patienten durchgeführt und 15 Untersuchungen mit der Strahlenquelle unterhalb des Patienten. Dieser Unterschied war nicht signifikant.
  • Der Studienautor berechnete die Wahrscheinlichkeit für das Entstehen eines Katarakts in Abhängigkeit von der hierfür ermittelten kritischen Strahlendosis. Sie betrug 56 Jahre bei Durchleuchtung von oberhalb des Tisches, und 595 Jahre bei Durchleuchtung von unten.

Fazit

Angesichts steigender Zahlen urologischer Eingriffe unter Einsatz intraoperativer Durchleuchtung ist das medizinische Personal am Operationstisch einer nicht zu vernachlässigenden Strahlenbelastung ausgesetzt. Die Studie verdeutlicht, wie wichtig konsequente Schutzmaßnahmen sind (Tragen von Bleischürze, Schilddrüsenschild, Schutzbrille und -handschuhen). Auch sollten die Betreiber urologischer Durchleuchtungssysteme berücksichtigen, dass eine Strahlenquelle unterhalb des OP-Tisches eine geringere Strahlenbelastung verursacht, wie die o. g. Studienergebnisse zeigen.

 

Weiterführender Hinweis

  • Harris AM: Radiation Exposure to the Urologist Using an Over-Couch Radiation Source Compared to an Under-Couch Radiation Source in Contemporary Urology Practice. Urology 2018, online 02.01.2018, https://doi.org/10.1016/j.urology.2017.12.011